Die Gründer der CPG

Die Chemisch Physikalische Gesellschaft wurde 1869 von Heinrich Hlasiwetz, Josef Loschmidt, Josef Petzval und Josef Stefan in Wien gegründet.

Heinrich Hlasiwetz

Heinrich Hlasiwetz ist der eigentliche Gründer der Chemisch Physikalischen Gesellschaft in Wien. Er wurde am 7.4.1825 geboren und verstarb am 8.10.1878. Er war Professor für technische Chemie am k.k. Wiener Polytechnikum, wo er auch Rektor war. Die Worte, die er 1869 in der ersten Versammlung an die Anwesenden richtete, sind uns durch Zufall überliefert:

"Wir stellen uns an dieser Stätte als erste Aufgabe, die Naturwissenschaft kennen zu lernen und die Methoden uns anzueignen, nach denen man wissenschaftliche Tatsachen findet und sie zum Baue eines Systemes verwendet, in welchem jede dieser Tatsachen notwendig ihre Stelle finden muß vermöge der letzten Gründe, auf die wir sie zurückführen können. Als zweite Aufgabe betrachten wir die praktische Anwendung und Nutzbarmachung der Wissenschaftlichen Resultate und Entdeckungen der Chemie und Physik für die Zwecke des Lebens, der Ausbeutung dieser Tatsachen, der Methoden und Versuche für die Zivilisation und Kultur. Die wissenschaftlichen Gedanken geben der Epoche, in der sie entstanden sind, ein besonderes Gepräge, wodurch sie sich vor anderen Zeiträumen im Völkerleben unterscheidet."
"Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Zeit ein Wertzeichen an der Stirne trägt, welches ihr die Naturwissenschaft aufgedrückt hat. Die Entdeckungen der Chemie und Physik sind bewußt vorbereitet und haben den Schein jenes Zufälligen verloren, der den Wert früherer Entdeckungen noch manchmal beeinträchtigen konnte. Der Zufall, das scheinbar unvermittelte und überraschende Ergebnis oder die Erscheinung wird allerdings in tausend Fällen der erste Anstoß sein, unser Nachdenken zu erregen. Der Zufall allein schafft und entdeckt aber nichts und wenn er gleichwohl eine Rolle beim Fortsschreiten der Wissenschaft spielt, so besteht diese darin, daß er die Veranlassung war, die Zusammengehörigkeit der zufälligen Erscheinungen mit anderen aufzusuchen, die wir schon kennen. In unseren Wissenschaften, in der Chemie und Physik, hängt alles vom rohesten Zustand bis zur endlichen Vollendung von den Versuchen ab, die der Verstand auf Grund schon bekannter Tatsachen kombiniert, um neue Tatsachen zu gewinnen. Alles was die neuere und neueste Zeit an großen maßgebenden Entdeckungen zutage gefördert hat, war immer das Resultat einer richtigen Kombination von Versuchen. Das Experiment ist aber das mit Überlegung und willkürlich herbeigeführte, von allen störenden Nebeneinflüssen und Zufälligkeiten befreite natürliche Geschehen. In dem Experiment isolieren wir in der Chemie und in der Physik die verwickeltste Erscheinung oder Tatsache und den kompliziertesten Prozeß zerlegen wir in seine Bestandteile.
Nicht die philosophischen Ideen allein, welche ein Volk befruchten, welche es durch Spekulation seiner genialen Köpfe in sich entwickelt und großzieht, nicht seine idealistisch künstlerische Begabung sind es, welche es einem anderen überlegen macht, die praktische Bewertung naturwissenschaftlicher Kenntnisse, jener Kenntnisse, die an sich die Basis jeder gesunden Philosophie sind, ist es zunächst, welche ihm das Übergewicht über andere sichert und das vielgebrauchte geflügelte Wort "Wissenschaft ist Macht" müßte eigentlich präziser lauten: "Naturwissenschaft ist Macht".
Die Mittel und Werkzeuge dieser Macht kennen zu lernen, die praktische Verwertung und Anwendung der Chemie und Physik für die Zwecke des Lebens, der Industrie und Kunst, des Völkerverkehrs und unseres Nationalreichtums ist die zweite Hauptaufgabe unserer Gesellschaft."

(Auszug aus der Festrede anläßlich des 50jährigen Bestandes der Chemisch-physikalischen Gesellschaft zu Wien, gehalten am 26. November 1919 von Felix Ehrenhaft.)

Josef Loschmidt

Josef Loschmidt wurde am 15. März 1821 in Putschirn bei Karlsbad geboren. Nach seiner schulischen Ausbildung bekam er in Prag 1839 eine Anstellung als Lektor bei Franz Exner, der ihm später auch sein Studium der Philosophie und Mathematik in Prag und Wien ermöglichte. Im Laufe der Jahre wandte Loschmidt sein Interesse immer mehr der Physik und der Chemie zu, 1856 erlangte er durch Exners Hilfe eine Lehrstelle.

1865 verfaßte er die Schrift "Zur Größe der Luftmolecüle", worin er den Durchmesser der als kugelförmig angenommenen Luftmoleküle (1 nm) berechnete. 1867 bestimmte er auf dieser Grundlage die Anzahl der Moleküle in einem Gasvolumen, die Loschmidt'sche Zahl. 1869 faßte er seine Erkenntnisse zur Wärmelehre in "Der zweite Satz der mechanischen Wärmetheorie" zusammen. In den Jahren 1866-1872 wurde Loschmidt Privatdozent für Physik an der Universität Wien, wurde Mitglied der kaiserlichen Akademie und bekam den Ehrendoktor der Philosophie verliehen.

1891 trat Loschmidt in den Ruhestand und verstarb am 8. Juli 1895 in Wien.

Józeph Petzval

Józeph Miksa Petzval wurde am 6. Jänner 1807 in Spisska Bela in Ungarn (heute in der Slowakei) geboren. Ab 1826 besuchte er die Universität Pest, wo er Philosophie und Mathematik studierte und wurde dort 1835 Assistent. Zwei Jahre später wurde er zum Professor für Mathematik und Mechanik an der Universität Wien ernannt.

Einen Großteil seines Lebens verbrachte Petzval mit der Arbeit an der Laplace-Transformation, wobei er von Liouville beeinflußt wurde. Er schrieb eine lange Arbeit und eine zweibändige Abhandlung  über die Laplace-Transformation und ihre Anwendung in gewöhnlichen linearen Differentialgleichungen. Seine Arbeit war sehr gründlich, aber noch nicht ganz zufriedenstellend, da er keine Randintegration verwenden konnte, um die Transformation zu invertieren.

Petzvals größte Leistungen liegen auf dem Gebiet der optischen Linsen und ihrer Fehler, besonders in den frühen 40er Jahren - Sie ermöglichten die Konstruktion moderner Kameras. Des weiteren berechnete er Linsensysteme für Fernrohre und Mikroskope und entwickelte den Feldstecher sowie neuartige Scheinwerfer.

Petzval starb in hohem Alter am 17. September 1891 in Wien.

Josef Stefan

Josef Stefan wurde am 24. März 1835 in St. Peter in der Nähe von Klagenfurt geboren. Ab 1858 hielt er Vorlesungen über mathematische Physik in Wien und 1858 wurde er Professor und Leiter des physikalischen Institutes.

1879 zeigte er empirisch, daß sich die totale Strahlung eines schwarzen Körpers proportional zur vierten Potenz seiner absoluten Temperatur verhält. Boltzmann, einer seiner Studenten, erbrachte dann 1884 den mathematischen Beweis für das Stefan-Boltzmann'sche Gesetz. Stefan wandte dieses Gesetz an, um die Temperatur auf der Sonnenoberfläche zu bestimmen. Er arbeitete auch in der Wärmeleitung in Fluiden und der kinetischen Wärmetheorie.

Stefan starb am 7. Jänner 1893 in Wien.

Bildnachweis

H. Hlasiwetz: Archiv der Universität Wien http://phaidra.univie.ac.at/o:273439

J. Loschmidt, J. Petzval und J. Stefan: Österreichische Zentralbibliothek für Physik